Die lieben Nachbarn

Ihr habt ja schon gemerkt im “Hier ist Kambodscha” Blog sind die Zeiten der rosaroten Urlaubsortbeschreibungen von Kambodscha und speziell Sihanoukville vorrüber. Darüber kann man auf hunderten von anderen Webseiten und Büchern nachlesen, hier bei mir gibts die nackten Tatsachen auf den Tisch. Ich denke mit diesen Informationen kann der auswanderungswillige deutsche etwas anfangen wenn er denn mal hier ist. Oftmals ist das Einschätzen und der richtige Umgang mit der lokalen Bevölkerung kriegsentscheidend für die eigene Existenz in diesem wilden Land.

Heute hatte ich ein für südost Asien typisches Erlebnis mit der Nachbarschaft, das als gutes Beispiel für die Mentalität der Menschen hier dient. Einige von euch können sich vielleicht noch daran erinnern ich habe einmal über die Familie des alten Polizisten geschrieben die in unserer unmittelbaren Nachbarschaft wohnt, >> Not und heile Welt liegen dicht zusammen in Kambodscha auch in unserer Strasse << .

Nun kamen wir vorhin von einem ausgiebigen Frühstück zurück und wie immer sitzt der alte Polizist mit der Hälfte seiner Familie auf hellblauen Plastikstühlen vor dem Holzhaus in dem sie wohnen, drei Häuser neben uns. In der Zwichenzeit wo wir Frühstücken waren hat unser “noch” Vermieter schon das Schild “Zu Vermieten” an das Eingangstor zu unserem “noch” Haus angebracht. Das wurde von ihnen beobachtet und ich wurde sofort bei unserem Eintreffen darauf angesprochen (der Mann spricht etwas Thai wie ich). Da ich ihn akustisch nicht gut verstehen konnte, habe ich meine Frau und Sohn vom Motorrad absteigen lassen und bin dann zu ihm hingefahren. Bis auf den alten wurde ich mit eisigen Mienen empfangen. Er lächelte wie immer und begann sein Verhöhr (wenn ihr denkt ihr kennt neugierigen Menschen, dann kommt mal hieher weil hier haben sie nicht mal Scham). Was denn los wäre, ob wir ausziehen, ganz genau wohin wir ziehen, wie hoch die Miete ist, wer der Vermieter ist, woher wir von der Wohnung wussten u.s.w., das alles in weniger als einer Minute.

Natürlich habe auch ich ihn angelächelt wie es hier ja höfflich ist und ihn mit 3-4 allgemeinen Antworten abgespeisst weil es nicht ratsam ist den Leuten hier zuviele private Informationen zu geben. Als guter Beobachter habe ich natürlich seine Frau, die jüngere Tochter und die Tante im Augenwinkel gehabt und was mir deren Gesichter gesagt haben hat mit Lächeln garnichts zu tun gehabt. Ich bin recht sensibel in diesen Dingen und habe die Ablehnung und Missbilligung über unser Tun regelrecht spühren können wo sie doch vorher so übertrieben freundlich über all die Monate waren. Jetzt ist die Frage angebracht warum ist das so? Ich kann es euch sagen weil ich es schon unzählige Male erlebt und gespürt habe in all den Jahren in Asien.

Es ist Neid, Missgunst und in diesem speziellen Fall auch der Verlust der Vermittlungsprovision weil wir nicht sie angesprochen haben uns bei der Suche nach einem neuen Haus behilflich zu sein, sondern alles alleine gemacht haben. Jeder kambodschaner hier in Sihanoukville kennt mindestens einen Anderen der ein Haus oder sonstwas zu vermieten hat worauf dann bei Vertragsabschluss an den Vermittler eine Provision gezahlt wird. Ein beliebtes Geschäft der Kambodschaner mit den Ausländern die eine Bleibe für länger suchen. Alles legitim finde ich aber ich entscheide trotzdem immernoch selber an welchen Makler oder Hauseigentümer ich mich wende.

Bei dieser einstmals so netten Familie brauchen wir jedenfalls nicht mehr auf Hilfe hoffen, was uns natürlich vollkommen egal ist aber worauf ich hinaus will ist das Verhalten der Leute in solchen Situationen an sich. Jetzt besteht keine Möglichkeit mehr irgenwas bei uns abzugreifen, das war mal eine Einladung zum Essen für die gesammte Familie oder auch mal ein paar gute Kleidungsstücke von mir die mir zu klein geworden sind (ich betreibe mein halbes leben lang schon Kraftsport und wachse immernoch) oder die Aussicht auf eine Provision wenn sie Bekannten von mir ein Mietobjekt anbieten können, das dann auch tatsächlich gemietet wird. So geschehen mit einem Kollegen von mir wo sie sich in die Gespräche meiner Frau mit dem Vermieter eingedrängt haben und 200,- $ Provision kassiert haben für die Recherche arbeit die meine Frau geleistet hat. Wir gehen davon aus, das jetzt auch unser “noch” Vermieter nicht mehr gut auf uns zu sprechen ist weil das würde genau in das lokale Caraktermuster passen.

Das nur mal so als kleine Anektode aus dem alltäglichen Umgang mit den Menschen hier, damit ihr wisst worauf ihr euch einstellen müsst wenn ihr hier leben wollt.

Vorsicht: Schnueffelbanden in Sihanoukville, Kambodscha

Schon seit langem treiben Schnüffelbanden (das sind jugendliche Diebesbanden die sich ihr Geld zusammenstehlen damit sie sich Lösungsmittel, Klebstoff oder Verdünner zum Schnüffeln kaufen können) in Sihanoukville ihr unwesen. Bevorzugte Opfer der Einbrüche sind natürlich Ausländer weil die ja das Geld in ihren Heimatländern von den Bäumen pflücken und darum auch alle reich sind. Die Polizei von Sihanoukville, wovon ja viele in unserer Nachbarschaft wohnen, ist angeblich handlungsunfähig wobei man aber vermutet, das die Täter hier in der Nähe wohnen und hier jeder jeden kennt (wahrscheinlich ist das das Problem). Ein Insider hat mir mal im Vertrauen verraten, das höchstwahrscheinlich die Polizei selber diese Banden kontrolliert, was man sich wenn man die südost asiatische Polizei kennt auch gut vorstellen kann.

Nachdem wir schon von Diebstählen bei anderen Ausländern in unserer Gegend gehöhrt hat ist es und nun endlich auch passiert. In der Nacht vom 30.04.08 zum 01.05.08 hat man mir meine Digitalcamera und meine Mobiltelefon gestohlen aus dem Haus gestohlen, woran ich nicht ganz unschuldig war. Wie das, fragt ihr euch. Ich will es kurz hier schildern.

Mein Büro befindet sich in der ersten Etage unseres Hauses, das Fenster geht nach hinten raus, wo ein unbebautes verwildertes Grundstück liegt. Ich habe bis ca. 02:00 Uhr nachts am Computer gesessen und gearbeitet. Wie immer wenn ich Feierabend mache und nach unten ins Schlafzimmer gehe schliesse ich das Büroschiebefenster bis auf einen kleinen Spalt damit übernacht meine Zigarettenrauchschwaden abziehen können. Wohl bemerkt hier sind alle Türen und Fenster schwer vergittert. nachdem ich runtergegangen bin sind die Einbrecher hinter hinter dem Haus, über die Mauer, hoch am Wassertank und auf einem kleinen Sims and der fassade hoch bis zu dem Bürofenster (die Fussabdrücke sind noch an der Fassade zu sehen). Da haben sie das Fenster aufgeschoben und haben mit irgendwelchen Hilfsmitteln meine Kamera und mein handy und das Brillenetui mit meiner Ersatzbrille vom Schreibtisch geangelt.

Als ich am nächsten Morgen hochgekommen bin stand das Scheibefenster weit offen und ich habe sofort gesehen, das da etwas nicht stimmt. Das war dann das zweite mal in meinem Leben, das mir etwas aus dem Haus gestohlen wurde. Einmal in Deutschland und nun einmal hier in Kambodscha. In Deutschland habe ich den Schaden durch die Versicherung ersetzt bekommen (er wahr auch wesentlich höher als in diesem aktuellen Fall), hier dagegen bekommt man garnichts und kann die Sache als Erfahrungswert abhaken. Die Polizei zu rufen ist zwecklos und Zeitverschwendung, da sie halt nur dem Namen nach eine Polizei im herkömmlichen Sinne ist. Wir haben jedenfalls dem Polizisten der ein paar Häuser neben uns wohnt bescheid gesagt weil wir ja bekannt mit der Familie sind. Der dann nach nach einer Stunde mal vorbei und lamentierte mit meiner Frau auf Thai rum. Alles sinnloses geschwätz und wenig ergiebig. Ich habe ihm dann (auch auf Thai) gesagt, das ich mir eine Waffe kaufen werde und bei der nächsten Gelegenheit wenn jemand nachts wiederrechtlich mein Grundstück betritt sofort davon Gebrauch machen werde (ich war mal einige Zeit in einem Schiessverein, he, he, he). Er meinte damit würde ich mir hier als Ausländer unter Umständen Ärger einhandeln, ich solle den Einbrecher dann lieber totschlagen das wäre unproblematischer für mich. OK ich habe mir das gemerkt und werde mich daran halten sollte ich in einem Wiederhohlungsfall irgenwann mal einen dieser Ratten erwischen. Jetzt werdet ihr vielleicht sagen, man der Typ hat gestern wieder einen Arnold Schwarzenegger Film gesehen. Weit gefehlt Leute, das sind Wahrheiten die ich euch hier niederschreibe. In Thailand zählt schon ein Menschenleben nicht viel aber hier in Kambodsche ist es noch viel weniger Wert und je Ärmer der Tote war umso biller ist sein Tot gewesen. Ich habe damals in Thailand selber mitbekommen wie ein Toter, der überfahren wurde mit einer Zahlung des Fahrers von 3.000,- € an die Polizei und die Familie des Opfers einfach unter den Tisch gekehrt wurden. Ich gehe davon aus das die Kriminalitätsrate auch gegen Ausländer in beiden Ländern zukünftig ansteigen wird auf Grund der imens ansteigenden Lebensmittelpreise.

Wie auch immer, heute morgen hat meine Frau das verwilderte Grundstück hinter unserem Haus durchkämmt und siehe da, sie hat meine Ersatzbrille wiedergfunden, die die Täter wohl nicht brauchten. Sie hat auch direkt an der Grenzmauer zu unserem Grundstück mehrere kleine Plastiktüten und Papiertaschentücher gefunden die alle mit irgendeinem Klebstoff getränkt waren. Also die Schnüffelbrüder haben hier gesessen und noch eine Klebstoffparty abgehalten.

Ja, das ist Sihanoukville in Kambodscha wie es leibt und lebt und Gesetz und Ordung kann jeder nach wie vor so gestalten wie es ihm beliebt wenn er nicht allzu laut dabei vorgeht. Nicht falsch verstehen, ich schreibe das völlig Wertungsfrei denn auch wenn man mir hier nun Dinge im Wert von ca. 300,- $ gestohlen hat, was einem überall auf der Welt passieren kann, kann ich mit dieser einigermassen Gesetzfreien situation sehr gut leben. Es schärft die Sinne und aktiviert Mechanismen im Menschen die man in der westlichen Welt vor vielleicht 200 jahren auch noch kannte aber heute völlig verloren gegangen sind.

Not und heile Welt leigen dicht zusammen in Kamboscha auch in unserer Strasse

Wir wohnen in einer kleinen, ruhigen Strasse ohne Namen. Die Gegend ist eine etwas bessere hier in Sihanoukville, hier wohnen normalerweise Leute die einen guten Job haben, höhere Polizeibeamte und ein paar Ausländer mit denen ich aber keinen Kontakt pflege. Vorne an der Ecke steht das grösste Haus der Gegend, da wohnt der oberste Polizeikommandeur von ganz Sihanoukville. Dann kommt ein Haus das weiss ich nicht was das für Leute sind und dann kommt mein erster direkter Nachbar, ein älterer Schotte mit junger kambodschanischer Frau. Mein Nachbar auf der anderen Seite ist wieder ein Eingeborener der eine höhere Position bei einer Bank bekleidet und danach kommt das Haus von der Familie mit der sich langsam eine freundschaftliche Beziehung aufbaut, das heisst mein Sohn und meine Frau bauen diese Beziehung auf.

Waschechte Kambodschaner, Mann, Frau, drei Kinder und die Mutter der Frau wohnen in einem für diese Gegend einfachem Holzhaus mit einem kleinen Laden in der Eingangstür in dem man Zigaretten, Kartoffelchips und Seife kaufen kann. Er ist Polizeibeamter und seine Frau mit ihrer Mutter bewirtschaften den kleinen Laden. Sie haben zwei Mädchen, so etwa um die 10 bis 12 Jahre alt und ein Junge der auch ein paar Jahre älter ist als mein Sohn. Mein Sohn ist mittlerweile wie das vierte Kind in dieser Familie und meine Frau geht seit ein paar Tagen jeden Nachmittag mit dem ganzen Clan joggen. Der Mann hat 25 Jahre in Thailand beim Militär gediehnt und spricht idealerweise Thai, so kann ich mich wenigstens in dieser Sprache mit ihm unterhalten und meine Frau sowiso. Alle drei Kinder besuche 6 mal in der Woche am Nachmittag eine Englischsprachschule (ich hab mir sagen lassen, das die Englischstunde 5,- $ kostet). Sprachliche Barrieren mit den Kindern gibt es also keine und häufig müssen sie für uns übersetzen.

Ich kenne so liebe und wohlerzogene Kinder nur hier aus Asian weil in Deutschland auf der Strasse trifft man soetwas nicht mehr an. Ich war gestern bis ins tiefste gerührt als die beiden Mädchen meinem Sohn einen extra für ihn gebastelten Drachen geschenkt haben. Ich habe mir das ding mal angesehen und bin immernoch mehr als beeindruckt wie die Mädchen aus Holzstäben, einer Plastiktüte, Gummibändern und einer Rolle Zwirn, mit unglaublicher Fingerfertigkeit diesen kleinen, voll funktionstüchtigen Drachen gebastelt haben. Wo gibt es das noch in Deutschland in der heutigen Zeit, das Kinder nicht vor dem Videospiel oder dem DVD-Spieler sitzen, sondern für ein anderes Kind aus einfachsten Mitteln ein Geschenk basteln. Irgendwie heile Welt!

Es gab aber in der letzten Woche auch ein trauriges Ereignis in unserer kleinen Strasse. Wir kamen gerade vom Einkaufen und hatten vor dem Haus noch ein paar Nettigkeiten mit den Nachbarn ausgetauscht, als plötzlich ein unverkennbares Geräusch die friedliche Atmosphäre durchbrach. Ihr kennt das bestimmt, diese unverwechselbare Geräusch wenn ein Unfall geschieht und man weiss, ohne hinzusehen das etwas schlimmes passiert ist. Ein paar Häuser neben unseren erwähnten Nachbarn ist soetwas wie eine christliche Missionsstation (christen treiben wirklich überall ihr unwesen). In dieser Station halten sich immer viele Kinder auf die dort wohl betreut werden. Wir haben es so schnell nicht sehen können, jedenfalls hat ein Teenager mit einem Mofa einen etwas jüngeren Jungen umgefahren. Der arme umgefahrene Junge ist so stark mit dem Kopf auf den Boden geschlagen das er sofort das Bewustsein verloren hat und als ich rennend an der Unfallstelle ankam hatte sich bereits eine, für mein dafürhalten, bedenkliche Blutlache unter seinem Kopf gebildet. Sofort waren alle Menschen aus der Mission und aus den umliegenden Häusern am Unfallort versammelt. Grosses Geschrei und Gezeter, bis sie den leblosen Körper zwichen zwei Personen eingeklemmt auf einem Mofa wohl ins Krankenhaus gefahren haben. Warum kein Krankenwagen gerufen wurde kann ich nur vermuten, wahrscheinlich ist der Junge aus einer armen Familie und die haben kein Geld für derartige Rettungsmassnahmen.

Ob der Junge es überlebt hat wissen wir noch nicht, ich werde aber versuchen es in Erfahrung zu bringen. Heile Welt und Not liegen in Kambodscha dicht nebeneinander, auch in unserer Strasse.

Meine bisher gefährlichste Situation

Zuerst möchte ich um Nachsicht bitten weil die grossen Fotos die ihr sehen könnt wenn ihr die kleinen anklickt sich zur Zeit nicht öffnen. Da ist irgendein Problem mit demServer auf dem ich die Bilder abgeladen habe. Ich denke jedoch, das sich das innerhalb der nächsten 1-2 Tage wieder erledigt haben wird, dann könnt ihr meine Bilder aus Kambodscha wieder in voller grösse betrachten.

Nun zu der kleinen Vorstellung die ich heute vormittag am Strand erlebt habe. Wie immer habe ich bei stahlenden Sonnenschein in dem Strandrestaurent, in dem wir immer sind, gesessen und den grusligen Kaffe getrunken den man in den Strandbuden ausschenkt. Mein Sohn hat fröhlich im Wasser gespielt, eine leichte Brise hat geweht, die Welt war inordnung. Ich hatte es schon mal erwähnt, der Strand wimmelt es von kambodschanischen und vietnamesischen Frauen und Kinder die dort von Früchten, Massage und Fusspflege bis zu billigem Holzschmuck alles mögliche an den Touristen bringen wollen. Zwichendurch humpelt auch schon mal ein einbeiniger Bettler vorbei der nach Geld fragt, damit muss man hier leben.

Ich sitze also nun so da und gucke Löcher in die Luft als plötzlich im Eiltempo eine junge kambodschanische Strandverkäuferin, lauthals fluchend und meckernd mit einem grossen Küchenmesser bewaffnet, auf die Terasse zukommt auf der ich bisher alleine saß. Etwa 1,5 Meter neben mir kommt sie zum stehen und ging in Kampfposition. Dann überschlugen sich die Ereignisse, eine zweite Strandverkäuferin mit einer 2 Meter langen Bambusstange in den Händen, ebenfalls laut meckernd und umringt von ca. 15-20 Verkäuferinnen, kommt aus der gleichen Richtung auf die erste vor Wut schäumende Frau zu. Von einem Moment auf den Anderen saß ich wie auf einer Bühne mitten in der Hauptkampflinie. Ohrenbetäubendes, mir unverständliches Gezeter aus unzähligen Frauenkehlen erfüllte die vorher so friedvolle Stille. Mit einem Auge auf die Dame mit dem Messer und dem anderen auf die lange Bambusstange, rasten mir meine Fluchtoptionen durch den Kopf. Wenn es in diesem Moment einer der Furien die Sicherung komplett durchbrennen sollte und sie zum Angriff auf die andere ansetzen sollte, bestand für mich die möglichkeit aus so kurzer Distanz entweder mit dem Küchenmesser verletzt zu werden oder die Bambusstange auf die Birne zu bekommen. Ein flüchtiger Blick in die blutunterlaufenden Augen der Messerschwingerin hat mich aber dann doch dazu bewogen einfach ruhig sitzen zu bleiben und möglichst unbeteiligt auszusehen. Das Bambus wurde unter fürchterlichem Wutgeschrei gegen blitzschnelle, angedeutete Messerattacken geschwungen, andere Frauen schriene mit und versuchten die Kontrahentinnen zu entwaffnen. Vor meinem inneren Auge sind schon die Schlagzeilen in der deutschen Presse abgelaufen “Deutscher durch Zufall von kambodschanischen Frauen am Strand von Sihanoukville erstochen” oder so ähnlich.

Aber ich hab es überlebt und die beiden Kämpferinne zum Glück auch, nach ungefähr 15 Minuten schafften die umherstehenden Frauen es die beiden je in eine Richtung abzudrängen und so die Gefahr einer blutigen Auseianderstzung zu vermeiden.

Ich habe daraus einiges gelernt, erstens das ein schöner, friedlicher Sonntag Vormittag ganz schnell ins Gegenteil umschlagen kann und zweiten, das man niemals eine dieser Frauen erzürnen sollte weil das kann im Krankenhaus oder im Sarg enden. Schönen Sonntag noch!

Der Kontakt zur Heimat reisst nicht ab - Die Deutschen

Seit fast neun Jahren habe ich nun Abstand zu Deutschland gewonnen und irgendwann fängt man an die daheimgebliebenen Landsleute und das System in dem sie leben müssen mit anderen Augen zu sehen. Durch den Kontakt zu deutschen Touristen, deutsches Fernsehen (Deutsche Welle) oder die Telefonate mit der Familie, die Verbindung zur Heimat reisst nie ab. Zwangsläufig verfolgt man dadurch die Entwicklung und die Ereignisse mit, die sich um die 13.000 km nord-westlich von hier zutragen. Und was ich sehe und höhre gefällt mir nicht!

Da ich ja nun den direkten Vergleich mit einer völlig anderen Kultur und deren Lebensweise habe ist es immer sehr verlockend über Sinn und Unsinn der bundesdeutschen Sicht der Dinge nachzudenke. Schon mal weil man ja selber in dieser pseudofreien Wohlstandgesellschaft gebohren und aufgewachsen ist. All die “guten und richtigen” deutschen Werte die man ja praktisch schon mit der Muttermilch eingesogen hat werden dann aber plötzlich von alleine in Frage gestellt. All die vorher, als ich noch in Deutschland gelebt habe, so lebensentscheidenen Dinge wie die Einhaltung der mannigfaltig auferlegten Verordnungen und Gesetze zur Besteuerung der Einnahmen oder die Wahl der richtigen Haftpflichtversicherung werden zur Farce. Man beginnt sich zu Fragen, ob denn die Deutschen mit ihren Glassplattenwohnzimmertischen und Grossbildfernsehern (aus denen sich der Durchschnittsbürger ja mittlerweile seinen gesamten Wissenschatz zieht) wirklich in einer so freien Welt lebt wie man immer glauben mag.

Ich bitte hier darum mir es nicht übel zunehmen aber ich mutmasse, das der Grossteil der bundesdeutschen Bevölkerung gar nicht weiss was Freiheit eigentlich ist weil sie sie immer nur in einem beschräkten Umfang erfahren haben. Was ist persönliche Freiheit? 30 Tage Urlaub im Jahr? Ein teures Auto? Oder der bizarre immer stärker werdende Trend der Menschen in Deutschland immer älter zu werden (Vitaminpreparate und anderer Kram wird gekauft wie noch nie, meiner Meinung nach sollten die Leute lieber mehr frisches Obst und Gemüse essen). Also man möge es mir nicht verübeln aber ich finde diese Entwicklung und die Wertvorstellungen die immer mehr vorherrschen wiederlich.

So, der Eine oder Andere wird jetzt vielleicht sagen, man der Typ da in Kambodscha hat den Megaknall im Kopf mit seinen Ansichten. Das ist inordnung so und diese Leute interessieren mich auch nicht weiter. Es wird aber auch bestimmt welche unter meinen Lesern geben, die nachdenken über meine Worte und vielleicht die Dinge ähnlich sehen wie ich. Diese Leute haben schon den ersten Schritt zur Freiheit unternommen, wenn auch erstmal nur in Gedanken.

Das grausame Regime von Pol Pot

Wenn man in Kambodscha unterwegs ist fragt man sich zwangsläufig wo sind hier eigentlich die alten Menschen und wo kommen die ganzen jungen Menschen her die hier überall auf den Strassen unterwegs sind, in den Geschäften und Banken bedienen und auf den Märkten ihre Waren feilbieten. Nach meiner Schätzung sind ca. 70 - 80% der Leute hier zwichen 1 und 30 Jahre alt. Ich komme mir manchmal mit meinen 40 Lenzen wie ein alter Mann vor. Die Ursache dafür ist allerdings weniger erfreulich und hat mit der jüngsten Geschichte des Landes zu tun. Ich kann mich noch schwach daran erinnern, das ich als Kind ab und zu die Schreckensmeldungen über das Fernsehen aus dem damaligen Kambodscha mitbekommen habe. Die Roten Khmer haben ein wildes Gemetzel veranstaltet, wer ganz genaues über diese üblen Gesellen wissen will liest bitte hier nach. Hauptiniator war ein wahnsinniger, kommunistischer Diktator namens Pol Pot der ein grausames und blutiges Regime geführt hat. Er war der Sohn eines Bauern und später Lehrer an einer Privatschule in Phnom Penh. Als er in die Politk ging , war seine Plan aus Kambodscha ein kommunistischen Einheitsstaat zu machen. Auch im Nachbarland Vietnam vertrieben zu dieser Zeit gerade die ebenfalls kommunistischen Vietcong die amerikanischen Invasoren aus dem Land. In Kambodscha kam keine fremde Macht um den kommunistischen Wahnsinn von Mr. Pol Pot zu stoppen und die französischen Kolonialherren waren bereits vor all dem abgereist.

Nach dem Motto ein dummes Volk ist leichter zu regieren, fing Pol Pot an die gesammte Intelligenz des Landes grausam auszurotten. Lehrer, Professoren, Ärzte, Akademiker jeglicher Richtung und Menschen die Vermögen hatten sowiso standen auf seiner Abschlussliste. Der Rest der Bevölkerung wurde in unmenschlichen Zwangsarbeitseinsätzen dahingerafft. Und ob das nicht schon übel genug war, entbrannte auch noch ein blutiger Bürgerkrieg im Land. Ich bin kein Historiker und möchte euch auch mit all den Jahreszahlen und detaillierten Hintergrundinformationen nicht langweilen, wenn ihr mehr über diese schreckliche Zeit lesen möchtet klickt einfach auf die Links die ich hier überall in den Text eingefügt habe (Wikipedia weiss alles!). Zurück zum Thema, so kam es nun das innerhalb der Jahre wärend das Pol Pot Regime regierte Millionen von Menschen gefoltert und umgebracht wurden, darunter auch etliche Ausländer die damals hier zu tun hatten oder hier lebten. Es gibt noch zwei sehr interessante Gedenkstätten dieser schlimmen Zeit. Das eine sind die “Killing Fields” (es gibt einen Film zu diesen Thema mit dem selben Namen, Nick Nolte spielt die Hauptrolle) und das kambodschanische Todesgefängnis “S 21″ das man heute besichtigen kann wie in Deutschland die ehemaligen Konzentrationslager (und da dachten man immer die deutschen KZ Aufseher waren gut im Foltern, weit gefehlt). Auf Grund dieser damaligen Säuberungsaktionen ist eine komplette Generation nahezu ausgelöscht worden was dem Land bis heute unvorstellbaren Schaden zugefügt hat. Man hat prognostiziert, das Kambodscha noch weitere 40 Jahre brauchen wird ehe es wieder auf dem gleichen geistigen und wirtschaftlichen Niveau ist wie zum Beispiel Nachbarland Thailand, das ja niemals irgendwelche Probleme dieser Art hatte. Man muss sich vorstellen, das die wenigen überlebenden Bauern hier praktisch wieder von Null angefangen haben und eins ist klar ohne Investitionen aus dem Ausland läuft gar nichts.

Kurios ist, das noch immer Untersuchungen des internationalen Kriegsverbrechertribunals zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit ausstehen und das nach über 30 Jahren.

So, wie schon mal erwähnt ich bin kein Historiker und habe mich auch nicht intensiv mit dem kommunistischen Regime des Pol Pot befasst, hoffe aber den Kern der Sache in dieser kurzen Ausführung deutlich dargestellt zu haben. Wenn jemand irgendwelche geschichtlichen Fehler findet dann bitte schreibt mir hier einen kurzen Kommentar und ich werde es korrigieren.